Rheinische Post 09.10.1964

Rekordsieg in Kranenburg
Rekordsieg in Kranenburg

 

Kranenburger Schachklub I - „Turm" Pfalzdorf   8:0

 

KRANENBURG., Mit einem Paukenschlag begannen die Grenzstädter die neue Meisterschaftssaison der Schachbezirksklasse. Einen Tag vor dem festgesetzten Termin trafen sie sich in der Kranenburger Gaststätte „Zum Löwen" mit den Pfalzdorfer „Türmern", die unlängst durch Siege in der Marienstadt von sich reden gemacht hatten.

Diesmal allerdings standen die ersatzgeschwächten Pfälzer von vornherein auf verlorenem Posten. Kranenburgs junge Mannschaft ist durch die Klever Hugo Vehreschild und Franken wesentlich verstärkt worden. Es gehört keine Prophetengabe dazu, diesem ehrgeizigen „Ok1ett“ ein glänzendes Abschneiden im Kampf um den höchsten Titel der Bezirksklasse vorherzusagen.

Bereits im 26. Zuge (!) konnte Cloosters, der sich diesmal für die Preußische Partie" entschieden hatte, seinen Pfalzdorfer Gegner zur Aufgabe zwingen. Frühzeitiger Materialgewinn hatte den Ausschlag gegeben.

Der siebzehnjährige (!) - zu einigen Hoffnungen berechtigende - Franz Paus überrumpelte seinen sonst so umsichtigen Partner Kistner-Bahr mit der umstrittenen „Aljechin - Verteidigung" und erzielte im 20. Zuge entscheidenden Figurengewinn. Als kurz darauf das drohende Matt nur noch durch Damenverlust abzuwenden war, streckte der Vertreter des Gastvereins die Waffen.

3:0 für Kranenburg hieß es, als der sich - wie gewohnt - „sizilianisch" verteidigende Franz Hunselar die feindliche Umklammerung durchbrechen und zu vernichtenden Gegenangriffen übergehen konnte.

Wenten (Kranenburg) war aus der Eröffnung (Spanisch) mit Positionsvorteilen herausgekommen; er eroberte später einen wichtigen Bauern. Als die Verwandlung des weißen Freibauern nicht mehr aufzuhalten war, gab der sich bis dahin zähe verteidigende Pfälzer (Koch) die aussichtslos gewordene Partie auf. Hartnäckig setzte sich auch sein Vereinskamerad Welbers gegen Verwers (Kranenburg) zur Wehr. Der Grenzstädter hielt jedoch alle Trümpfe in der Hand und gewann zuguterletzt sicher und unangefochten.

Pfalzdorf „Blitzmeister" Strokorb ließ sich von dem routinierten Franken zunächst wenig beeindrucken. Er „mischte" wacker mit, konnte indes auf die Dauer ein entscheidendes Übergewicht des Partners nicht vermeiden. Ein gefährlicher Fesselungsangriff und ein nicht mehr abzustoppender Freibauer brachten die Entscheidung nach tapferer Gegenwehr.

Höhepunkte des Mannschaftskampfes waren die Kämpfe an den beiden Spitzenbrettern. Pfalzdorfs Abonnementsmeister Karl Puff setzte sich -- wie stets - souverän über eröffnungstheoretische Erkenntnisse hinweg und behandelte die ihm von seinem Kontrahenten Hugo Vehreschild offerierte „Französische Verteidigung" so unorthodox wie möglich. Zum Verhängnis wurde ihm jedoch ein auf den ersten Blick aussichtsreich erscheinendes Springeropfer, dessen Inkorrektheit sein versierter Partner überzeugend nachwies.

Kranenburgs große Schachhoffnung, Heinz Hopman, ging gegen den in den letzten Jahren stark nach vorn gekommenen Pfälzer Bruckschen kein Risiko ein. Mit sicherem Positionsgefühl unterminierte er - Zug um Zug - die gegnerische Stellung, bis dem kampfstarken Pfälzer die Luft ausging.

8:0 also im ersten Meisterschaftskampf gegen eine Mannschaft, die zu den unberechenbarsten der Bezirksklasse gehört. Für die Pfälzer - trotz der Eindeutigkeit des Resultats - kein Grund zur Resignation, für die siegreiche Mannschaft hoffentlich kein Anlaß zur Überheblichkeit!    -emei-