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SPRINGER POST

09/03

meist im Verlaufe der Partien auf zehn oder gar fünfzehn. Jetzt werden unsere verdutzten Leser sicherlich ungläubig mit dem Kopf schütteln, denn in diesem Falle könnte selbst ein blutiger Anfänger den Meister mit Zügen wie etwa: 1. e2-e4, 2. Lfl-c4 , 3. Ddl-f3 und 4. Df3:f7 ja bereits mattsetzen, bevor dieser überhaupt eine Möglichkeit zur Gegenwehr bekommen hätte.
Ganz so naiv war der alte Blackburne aber nun auch wieder nicht, und er legte seinen Kontrahenten sicherheitshalber eine kleine Zusatzbedingung mit auf, die da besagte, dass kein weißer Stein dabei die eigene Bretthälfte verlassen dürfe (also waren nur Züge innerhalb der ersten vier Reihen erlaubt). Von vorschnellem Mattsetzen kann da natürlich nicht mehr die Rede sein, aber ein unübersehbarer Entwicklungsvorsprung sollte sich wohl herbeiführen lassen. Wie schnell dieser durch unsauberes Spiel allerdings wieder verpufft und sich gar in eine Verluststellung wandeln kann, musste aber auch hier so mancher Gernegroß leidvoll in Erfahrung bringen, wenn eben ein echter Meister auf der anderen Brettseite sitzt und die Verteidigung ideenreich zu koordinieren weiß.
Nachdem der allerorten gefürchtete Mann aus Manchester damit tagein tagaus die Schachwelt an der Nase herumführte, war es mit einem Male aus und vorbei und er wollte von Vorgabezügen nichts mehr wissen. - Doch was war geschehen, das diesen plötzlichen Sinneswandel bei ihm herbeiführte? Hatte er womöglich eine bittere Niederlage hinnehmen müssen? "Ach, wenn es doch nur das wäre!", hören wir den schwer angeschlagenen Briten womöglich noch heute jammern. Ja, - was war es denn nun wirklich? Allmählich wird es aber Zeit, die Katze aus dem Sack zu lassen, denn selbst hartgesottene Leser der "Springer Post lassen sich nicht gerne auf die Folter spannen. - Also gut, überredet, wollen wir dem Geheimnis um den plötzlichen Sinneswandel des James Henry Blackbume auf den Grund gehen.
Zu jener Zeit verweilte "Der Schwarze Tod" gerade in Wien, wo er in einem bedeutenden Einladungsturnier die Klingen mit Seinesgleichen kreuzen durfte (selbstverständlich ohne Vorgabezüge), aber nach getaner Arbeit an jedem Abend die Wiener Schachcafes aufsuchte, um