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08/04

SPRINGER POST

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Diesmal scheint man mit dem Dannemann-Konzern einen weitaus lukrativeren Fisch an der Angel zu haben. Doch das selbst ernannte genießerische Angebot hat wohl auch so seine Schattenseiten, handelt es sich dabei keineswegs um die längste Praline der Welt', sondern wie der Zufall will, schlicht und ergreifend um Tabak, meist in der Form von dicken Zigarren. Da heißt es dann schon, geschickt zu lavieren und zu argumentieren, um allzu naheliegende Vorwürfe gleich im Keime zu ersticken. Haben sich nicht etwa unzählige organisierte Schachspieler in Abermillionen gespielter Partien in aufopferungsvoller, ja geradezu selbstkasteiender Weise ihres Glimmstengels entledigt, um auf geballtes Drängen der Funktionäre dem Ansehen des Schachs in der Öffentlichkeit ein positiveres Image zu verschaffen? Und sind es nicht eben gerade diese Herren, die jetzt dabei ertappt werden, Wasser zu predigen und dabei selbst Wein zu trinken. Kann das dem Ansehen des Schachs auf einmal dienlich sein? Welch wunderbare Wandlung hat sich da vollzogen, die doch sonst nur der Kirche vorbehalten ist?

„Was stört mich mein Geschwätz von gestern!", höre ich schon so manchen selbsternannten Schlaumeier argumentieren, „Laufen im Fußball nicht jede Menge hoch bezahlter Profis mit ,Jägermeister' - Trikots auf dem Spielfeld umher, ohne diese Genüsse (zumindest während des Spiels) selbst in Anspruch nehmen zu dürfen?" Aber gelten nicht zuletzt deshalb die Fußballspieler als dumm, während sich die Schachspieler bislang mit dem Adjektiv intelligent' schmücken durften? Dieses über Jahrtausende erarbeitete Vorurteil soll nun mit einem einzigen Federstrich ad absurdum geführt, oder besser noch ins Gegenteil umgemünzt werden. Gelten Balltreter dann etwa als clever und Klötzchenschieber als seltendämlich?
Einen ersten vielversprechenden Hieb in diese Richtung teilte Dannemann-Präsident Hans Leusen auf der Pressekonferenz in Brissago schon mal aus: „Eine Partie Schach zwischen Freunden ist doch das Sinnbild für einen genussvollen und entspannenden Abend. Damit verkörpert Schach in idealer Weise Werte, die auch unserer Unternehmensphilosophie entsprechen." - Wohlgemerkt, wir werden hier mit einem Tabakkonzern in einen Topf geworfen, wenn das allein