Nierswalde II

Auf vier Rädern rollt der ICE (Irrfahrten und Chaosexpress) der Kranenburger Springer durch die aufregende Schachgeschichte am

                                               Leben und leben lassen

 

Auf vier Rädern rollt der ICE (Irrfahrten und Chaosexpress) der Kranenburger Springer durch die aufregende Schachgeschichte am linken Niederrhein. Auf dreien wäre es lange nicht so komfortabel. Noch hält die Luft im vierten Reifen und so kann man unbekümmert in die Zukunft blicken. In eine ebensolche, die von vielen dunkel und Nebelverhangen gesehen wird, nur nicht von der Vierten selbst. „Wir können hier nur lernen“ lautet denn auch die selbst gestrickte Devise. Trotzdem ist die Vierte nicht nur ein durchlaufender Posten für neu entdeckte Talente auf dem Weg nach oben. Sie bietet auch einigen Spielern eine neue Heimat. Absteigen kann man nicht und die Sorgen um einen Aufstieg überlässt man gerne der Dritten. Und so spielt man stressfrei und ungekümmert, wie auch jetzt in der letzten Runde in Emmerich.

Dreimal hieß das Ergebnis der Kranenburger Mannschaften an diesem Tage hier im PAN Museum in Emmerich 7:1. Doch mussten die dritte und vierte Mannschaft zu guter Letzt die Saison mit Spielen gegen die beiden Tabellenführer beenden und hatte dann nur ein 1:7 auf dem Papier, während unsere zweite sich nicht zu sehr anstrengte gegen den Tabellenletzten und ein 7:1 erreichte.

Eingerahmt durch Remisen von Patrick und Jürgen spielte man auch heute wieder ein sorgen- und kompromissloses Schach, wie man es hier in der Vierten immer und immer wieder sehen kann. Nach einer Stunde Spielzeit sah es an fast allen Brettern sehr viel versprechend aus. Harald, ein Positionsspieler erster Güte, steht zu dieser Zeit immer ausgeglichen und ungefährdet. Ein Brett tiefer hat Mikula seinem Gegner eine Speerspitze aus den Bauern d4 und e5 in die Schachbrust gerammt. Phillipp, wie immer ausgeglichen und Julius mit einer überlegenden Eröffnung bereits auf Gewinn. Würde der Kampf jetzt abgebrochen und die Partien abgeschätzt werden, würde man mit 6:2 oder 5:3 gewinnen gegen einen Gegner mit einem DWZ-Schnitt von ca. 1350. Doch dann lehnt man sich bequem zurück und betrachtet des Gegners staunendes Gesicht. Man hat ihm gezeigt, dass man die Eröffnungen beherrscht, hat ihm ebenso bewiesen, dass man etwas von Kombinationen und von Taktik versteht, und nun klopft man ihm wohlwollend auf die Schulter und sagt: „Entschuldigung, ich weiß ja, dass du besser bist. Komm, zeige mir, wie du jetzt trotzdem noch gewinnst“. Und so hält die Vierte Caissas Schild dem Gegner entgegen, der darauf eingestanzt ins Eisen drei Worte sieht:

 

Kenner, Könner und Gönner

 

Zur Verdeutlichung dieses Umstandes sei hier die an diesem Tag gespielte Partie von Julius als unwiderlegbaren Beweis vorgelegt.

 

 

Weiß: Julius Hünnekes             Schwarz: Peter Voß

 

1. e4 c5  2. Sc3 Sc6 Der Beginn des Vinken-Systems im Sizilianer (→ Kenner). 3 .Lb5 Hier wird normalerweise mit 3. f4 g6  4. Sf3 Lg7  fortgefahren. Wir können also eine vorbereitete Hausanalyse von Julius erwarten  a6  4. Lxc6 dc  5. Sf3 Lg4  6. d3 b5  7. h3 Lh5  8. Lf4 Db6  9. 0-0 Td8 Man hat den Eindruck, als wenn Peter seinen Gegner nicht ernst nimmt. Bisher versuchte er nur magere Einzelaktionen mit Dame, Läufer und Turm. Sein Königsflügel ist immer noch unberührt, was sehr gefährlich werden kann. Julius hingegen hat sich gut entwickelt und steht bereits besser. 10. De2 e6  11. De3 Le7  12. Sd2 Sf6  13. Dg3 Ein sehr gefährlicher Doppelangriff. Es hängt der Bauer auf g7 und es droht Lc7 mit Qualitätsgewinn (→ Könner). 0-0 Wahrscheinlich wäre es besser gewesen, Lc7 zu verhindern. 14. Lc7 An dieser Stelle möchte ich eine kleine Anekdote erzählten. Im letzten Jahr wurde ich von Franz Hunselar, dem Mannschaftsführer unserer Zweiten gefragt, ob ich nicht als Ersatz am letzten Brett spielen wollte. Gesagt – getan stimmte ich zu. Es war eine Partie gegen Nierswalde I in der Bezirksklasse. Und an diesem letzten Brett saß mir Peter Voß gegenüber, den ich aber damals noch nicht kannte. Am Abend zuvor war ich bei einer kleinen Feier, die mich leider erst spät zu Bett kommen ließ, sodass ich in der Partie nur schwer in Gang kam. Und so geschah es, dass ich ebenfalls im 14. Zug die Qualität einbüßte. Ich ärgerte mich über diesen Fehler kolossal, konzentrierte mich so gut es ging und gewann die Partie am Ende doch noch. Fazit: Mit einer „Qualle“ weniger geht man noch nicht nach Hause.Db7  15. Lxd8 Txd8  16. e5 Sd5  17. Sce4 Sb4  18. c3 Vielleicht sollte man hier einfach mit Tfc1 den Bauern c2 decken. Es droht ja auch sehr stark Sf6+. Sd5 Warum schlägt er hier nicht einfach mit Springer oder Turm auf d3?  19. b3 Es ist sehr schwer, an dieser Stelle einen geeigneten Plan zu finden. Würde man „die von der Ersten“ fragen, bekäme man zu hören, man solle mit Sb3 Druck auf den Bauern c5 ausüben. Oder man könnte nach Sd6 und Abtausch, einen Freibauern ins gegnerische Lager stellen, der nicht ungefährlich ist und ebenfalls c5 schwächt. Tja, „die da oben“ wissen es halt noch besser(aber nicht mehr lange!). Lg6  20. c4 Sb4  21. a3 Sc2 Ich würde jetzt gerne einen schlauen Kommentar zum Besten geben, warum man diesmal auch wieder nicht auf d3 schlagen darf; mir fällt bloß keiner ein.  22. Tac1 Sd4 droht Se2+ mit freier Auswahl. 23. De3 Dc7 schlägt man nun auf b5, hängt der Bauer c5 und e5 ist gedeckt. 24. Sf3 Hier nun kippt die Partie und man findet sich wieder am „Place de la Remise“ Sxf3  25. Dxf3 Dxe5  26. cb cb  27. b4 nach dem Schlagen auf b4 hätte man einen Bauern gewonnen und zwei verbundene Freibauern, aber…..Lxe4  28. de Ld6 Achtung Falle! 29. g3 cb  30. ab f5  31. Tc6 nach ef könnten die Türme auf der ersten Reihe ihre Bizeps spielen lassen. fe  32. Dg4 e3  33. fe Dxe3+  34. Tf2 Leider ist dies nun der entscheidende Fehler. Nach Kh1 würde das Schiff nur in den sicheren Remishafen einlaufen. Doch nun tobt gleich ein Orkan! (→Gönner) Tf8 Oder doch nicht? Nach sofortigem Lxg3 ist die Partie schnell zu Ende. Doch jetzt wäre doch mit De2 noch einiges zu verhindern…. 35. Tc2 Txf2  36. Txf2 Lxg3 Watt nu? – Rien ne va plus  37. Df3 Lxf2  38. Dxf2 Dxf2+  39. Kxf2 Kf7  40. Ke3 e5  41. Kd3   0 – 1

Im Ganzen eine Partie, die zeigt, dass auch in der Vierten ein vernünftiges Schach gespielt wird. Bravo Julius!!