Schiefbahn 2006

Ein Wechselbad der Gefühle

 

 

SV Springer Kranenburg I holt Punkt beim Spitzenreiter

 

In der 6. Runde der Bezirksliga Linker Niederrhein musste die Kranenburger Erstvertretung die Reise zum Tabellenführer Willich-Schiefbahn I antreten. Bei einem Sieg hätten wir noch ein ernstes Wort um die Meisterschaft mitsprechen  können. Fortuna sollte uns am Ende jedoch nicht hold sein.

 

Nach zwei Stunden Spielzeit sah es für uns nicht gerade gut aus. An den Brettern eins, drei, fünf und sieben hatten die Schiefbahner sich bereits Vorteile herausgespielt. An den übrigen Brettern waren die Stellungen ausgeglichen. Als Erster beendete dieses Mal Herbert Cloosters seine Partie. In der von ihm gewählten französischen Verteidigung kam es bereits in der Eröffnung zu mehrfachem Figurenabtausch, was zu einer absolut ausgeglichenen Stellung führte. Nach nur etwas mehr als zwei Stunden Spielzeit nahm Herbert das Remis-Angebot seines Gegners an. Es sollte mehr als eine weitere Stunde vergehen, ehe die nächsten Partien beendet wurden. Dann allerdings ging es Schlag auf Schlag. Zunächst musste Richard Verbeet am Spitzenbrett die Überlegenheit seines Gegners anerkennen. In einer Caro-Kann-Verteidigung wählte Richard die Durchzugsvariante (1. e4 c6 2. d4 d5 3.e5). Sein Gegner wusste durch präzises Positionsspiel zu überzeugen. Die daraus bei Richard sich ergebenden Felderschwächen nutzte sein Schiefbahner Widerpart zu einem überzeugenden Sieg. Für den Ausgleich sorgte dann postwendend Sebastian Hünnekes, dem eine schöne Partie gelang. Mit der von ihm gewählten Aljechin-Verteidigung kam sein Gegner nicht wirklich klar. Als Anziehendem fehlte ihm jedes Konzept im Spiel. Sebastian konnte so seine Figuren auf den Königsflügel umgruppieren und heftigen Angriff entwickeln. Angesichts der vielen Drohungen leistete sich sein Gegner schließlich noch einen eklatanten „Patzer“, der ihn die für ihn hoffnungslose Partie sofort aufgeben ließ. Im Minutentakt dann zwei weitere Entscheidungen – an den Brettern sieben (Willi Gochermann) und acht (Stefan Biermann). Willi hatte in der Eröffnung bereits „überzogen“, so dass er mit Figurenverlust (gegen zwei Bauern) ins Mittelspiel gehen musste. Diesen Nachteil konnte er nicht mehr wettmachen – auch wenn er sich noch lange (aber vergeblich) gegen die Niederlage wehrte. Erfreuliches gibt es wiederum von Stefan zu berichten, der in seiner ersten Saison in der Bezirksliga eine mehr als gute Figur abgibt. Nach ausgeglichenem Beginn konnte er (als Nachziehender) seinen Gegner immer weiter in die Defensive drängen. Ergebnis seines guten Spiels: Figurengewinn und Gewinn der Partie! 4,5 Punkte aus sechs Partien: Weiter so, Stefan!!

 

Damit stand es nach gut 3,5 Stunden Spielzeit 2,5 : 2,5. Jürgen Jansen an Brett fünf kam aus der Eröffnung sehr schlecht heraus und sah lange Zeit wie der sichere Verlierer aus. Sein in die Jahre gekommener Gegner Wallhorn (ein früherer Spitzenspieler des linken Niederrheins) konnte die errungenen Vorteile jedoch nicht so ausbauen, dass dies zu einem „Knock out“ gereicht hätte. Jürgen kam dank zähen Kampfes letztlich mit lediglich einem Bauern weniger aus dem Mittelspiel heraus. In dieser Situation bot ihm sein Kontrahent, dem deutlich die Anspannung anzusehen und anzumerken war, Remis an! Dieses „Geschenk“ nahm Jürgen gerne an.

Theo Hünnekes hatte nach ausgeglichenem Spiel sich im Mittelspiel leichte Stellungsvorteile erarbeitet, die er stetig ausbauen konnte. Unsere - der Mannschaftskollegen – Einschätzung war die, Theo werde seine Partie gewinnen. Somit konzentrierte sich unser Hauptaugenmerk auf Wolfgang Osterkamps Partie an Brett drei. Denn wir witterten Morgenluft, sprich wir wähnten uns auf einmal auf der Siegerstraße. Denn bei Wolfgang hatte sich das Blatt gewendet. Nachdem er lange Zeit unter Druck gestanden hatte und wir seine Partie schon verloren glaubten, bekam Wolfgang durch unpräzises Spiel seines Gegners plötzlich die zweite Luft. Zudem befand sich sein Gegner in Zeitnot. Nach der Zeitkontrolle (40 Züge) hatte Wolfgang unerwartet ein Turmendspiel mit einem Mehrbauern (Turm und fünf Bauern gegen Turm und vier Bauern). Alles schien für uns gelaufen zu sein - Sieg Theo, Remis Wolfgang. Dachten wir. Doch es sollte anders kommen. Während wir vor dem Turniersaal bereits Spekulationen über wünschenswerte Ergebnisse der drei letzten Spieltage anstellten, ereilte Wolfgang in klarer und überschaubarer Stellung auf einmal die berühmte „Schachblindheit“. Er ließ es – ohne Not - zu, dass sich der einzig gefährliche Bauer seines Gegners in eine Dame verwandeln und er insoweit seinen Turm hierfür geben musste. Die Schachgöttin Caissa hatte uns zwar kurz zugelächelt, leider jedoch nicht ihr Füllhorn über uns ausgeschüttet.

Theo schließlich gewann seine Partie souverän – zum Endstand von 4 : 4.

 

Vielleicht wäre es des Guten auch ein wenig zuviel gewesen, wenn wir beim (bisherigen) Spitzenreiter die Nase vorn gehabt hätten. Geschnuppert am Erfolg haben wir allemal. Nach der 6. Runde nehmen wir Tabellenplatz fünf ein, mit deutlichem Polster zu den Abstiegsrängen. Nach „oben hin“ jedoch ist der Zug für uns in diesem Jahr wohl abgefahren. Bei erfolgreichem Abschneiden in den letzten drei Runden – wir müssen „nur“ noch gegen Mannschaften aus der zweiten Tabellenhälfte antreten – scheint ein vorderer Tabellenplatz im Abschlussklassement noch möglich zu sein.

 

Die Einzelergebnisse:

1) Verbeet  0   2) Cloosters  ½   3) Osterkamp  0   4) Hünnekes Th.  1   5) Jansen  ½   6) Hünnekes S.  1   7) Gochermann  0   8)Biermann  1

 

 

Herbert Cloosters