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Dramatik an Schachbrettern



Beim Rückblick auf unseren gestrigen Kampf drängt sich dem Autor dieser Zeilen spontan ein (vielleicht etwas gewagter) Vergleich auf. Und zwar mit dem „Jahrhundertkampf“ vom  01. Oktober 1975 zwischen Muhammad Ali und Joe Frazier – dem sogenannten „Thriller of  Manila“. Denn in der entscheidenden sechsten Stunde unseres Kampfes erreichte die  Dramatik ihren absoluten Höhepunkt, die knisternde Spannung war förmlich mit Händen zu greifen.

 

Doch der Reihe nach. Wir mussten in diesem wichtigen Kampf leider auf Theo Hünnekes verzichten, der wegen einer Familienfeier nicht mit von der Partie sein konnte. Dafür kam „Edel-Joker“ Klaus Kiesow zum Einsatz. Aber auch St. Tönis konnte nicht ganz mit der gemeldeten Mannschaft antreten. Am Spitzenbrett stand selbiges schon nach wenigen Zügen in hellen Flammen. Eine ungewöhnliche Eröffnungsbehandlung von Seiten des Spielers von St. Tönis hatte gleich zu Beginn der Partie eine Stellung entstehen lassen, wo jeder Fehlzug zu einem sofortigen Ende hätte führen können. Wolfgang Osterkamp fand nach langem Nachdenken jedoch die richtige Lösung und konnte den überfallartigen Angriff seines Gegners abwehren. Beide Spieler einigten sich kurz darauf auf Remis. In der Erfolgsspur bewegt sich momentan Sebastian Hünnekes. In einer lange Zeit ausgeglichenen Stellung unterlief seinem Gegenüber schließlich ein entscheidender Patzer, den Sebastian – der an Abgeklärtheit gewonnen hat – eiskalt zum Sieg ausnutzte. Die Segel streichen musste der Jung-Vater Jürgen Jansen, dem auch an dieser Stelle nochmals herzlich zu seinem Nachwuchs gratuliert sei! Leider konnte Jürgen in seiner Partie nicht an seine andere „Tat“ anknüpfen. Schon früh erreichte sein Gegner eine starke Angriffsstellung am Königsflügel. Die vielfältigen Drohungen, die auf Jürgens recht ungeschützten König heraufzogen, waren am Ende einfach nicht mehr parierbar. Zwischenstand somit: 1,5:1,5 Punkte.

 

Klaus Kiesow hatte überraschend starken Widerstand zu brechen. Er musste, um nochmals die Boxersprache zu bemühen, über die volle Distanz gehen. Will heißen: Erst im Endspiel konnte er seinen jungen Widerpart besiegen. Dies dann allerdings in einem sauber „nach Hause“ gebrachten Endspiel. Herbert Cloosters hatte dieses Mal eine Partie, in der von Anfang bis Ende alles passte. Sein Gegner behandelte die Eröffnung viel zu passiv, was Herbert zu großem Raumvorteil und positionellem Übergewicht kommen ließ. Bei (zwar noch) ausgeglichenem Material war schließlich eine Stellung erreicht, in welcher der Spieler von St. Tönis kaum noch einen vernünftigen Zug machen konnte. Was zunächst zu Materialgewinn und kurz darauf zum Zusammenbruch der schwarzen Stellung führte. Kurz darauf musste Willi Gochermann leider die Waffen strecken. In einem Damenendspiel mit einem Minusbauern fand Willi nicht die richtige Abwicklung, welche seinem Gegenüber den Sieg sicherlich wesentlich schwerer gemacht hätte. So aber konnte Letzterer eine feine Abwicklung erzwingen, die seinen Sieg nur noch eine Frage der Technik sein ließ. Stand damit: 3,5:2,5 für uns. Nun waren unsere beiden Jüngsten gefordert, Stefan Biermann und Daniel Gochermann.

 

Ja, und dann begann das Drama ... Sowohl Stefan als auch Daniel kämpften mit den schwarzen Farben. Beide hatten je einen Minusbauern zu beklagen. Beide konnten dieses Manko jedoch ausgleichen und den jeweiligen Minusbauern zurückerobern. Bei Daniels Partie war die Konstellation dann die, dass sein Gegner noch über König, Turm, Springer und zwei Bauern verfügte. Daniel über König, Turm, Läufer und zwei Bauern. Die beiden Spieler von St. Tönis standen vor dem Hintergrund des Standes des Mannschaftskampfes natürlich besonders unter Druck. Unsere Youngster aber letztlich auch. Die Partien befanden sich mittlerweile in der sechsten Stunde. Daniels Gegner versuchte alles, um zum vollen Punkt zu kommen. Doch unser Jüngster verteidigte sich geschickt. Sein Gegner hatte schließlich ein Einsehen und willigte in Remis ein. Nun fehlte uns noch ein weiteres Remis zum Mannschaftssieg. In Stefans Partie war die Konstellation mittlerweile so, dass beide Spieler über je einen Turm, einen Läufer sowie zwei Bauern verfügten. Die Läufer waren ungleichfarbig und die Bauern so verteilt, dass der mit Weiß spielende Spieler von St. Tönis über zwei Freibauern auf der b- und d-Linie verfügte, Stefan über zwei Freibauern auf der f-bzw. h-Linie. Im hin- und herwogenden Kampf trieben beide ihre jeweiligen Freibauern bis auf die 7. bzw. 2./3. Reihe vor. Die Umwandlung(en) des(r) Bauern wurde(n) durch die jeweiligen (ungleichfarbigen) Läufer verhindert. Entstanden war eine Stellung, die man wahrlich nicht jeden Tag zu Gesicht bekommt ... Die Kiebitze hielten es kaum noch aus. Vieles deutete auf Remis hin, doch dann unterlief Stefan doch noch der nicht mehr für möglich gehaltene Fehler. St. Tönis konnte somit noch zum 4:4-Entstand ausgleichen. Trotzdem: Ein spezielles Danke schön an Stefan, der angeschlagen (Erkältung) ins Spiel gegangen war und dennoch einen heroischen Kampf lieferte!!

 

Nach drei Runden weisen wir folgende Bilanz auf: Ein Sieg, zwei Unentschieden. Macht fünf Mannschaftspunkte. Damit belegen wir zur Zeit einen guten Mittelplatz.

 

Die Einzelergebnisse:

1) Osterkamp   ½   2) Cloosters   1   3) Jansen   0   4) Hünnekes S.   1   5) Biermann   0   6) Gochermann W.   0   7) Gochermann D.   ½   8)   Kiesow   1

 

 

Herbert Cloosters